Beratung / psychosoziale Hilfe

(Psychologische) Beratung

kann zu jeder Zeit eingeholt werden. Erziehungsberatungsstellen, Fachberatungsstellen und Jugendämter verfügen über das hierfür erforderliche Wissen und die entsprechende Erfahrung.

Von sexualisierter Gewalt betroffene Personen und deren Angehörige (ggf. auch Nachbarn oder Freunde der Familie) erhalten umfassende Beratung hinsichtlich ihrer Situation und möglicher Schritte.

Institutionelle Bezugspersonen des/der Minderjährigen können Fachberatung erhalten.

Sexualisierte Gewalt betrifft nie die einzelne Person, sondern hat stets Auswirkungen auf das gesamte System.

Für Beratung bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch gilt generell: Diejenige Person, die sich mit einem entsprechenden Verdacht an eine Beratungsstelle wendet, erhält dort auch weiterhin Informationen, Rat und Hilfe. Sie erfährt Entlastung im Gespräch und kann möglicherweise Handlungsstrategien aufbauen. Die beratene Vertrauensperson und ihre Beziehung zum Kind sollen gestärkt werden. Bei beratenen Jugendlichen, die angeben, selbst sexualisierte Gewalterfahrungen zu erleben, wird sofort auf den verlässlichen Schutz hingewirkt.

Je nach Alter des Kindes/Jugendlichen muss die Kontrolle über die nächsten Schritte und notwendige Entscheidungen bei den direkt betroffenen Personen bleiben!

Sexualisierte Gewalt stellt eine Kindeswohlgefährdung dar. Kinder/Jugendliche, die keine familiäre Unterstützung bekommen, müssen von Amts wegen geschützt werden. Jede Person, die Hinweise auf sexualisierte Gewalt erhält, ist daher verpflichtet, Hilfe zu leisten und sollte sich an das Jugendamt oder eine Beratungsstelle wenden.

Eine polizeiliche Anzeige ist ohne die Fähigkeit und Bereitschaft des Kindes/Jugendlichen zur Aussage in dieser Phase nicht förderlich. Es besteht keine Anzeigepflicht. Erfolgt jedoch eine Anzeige, ist die Polizei verpflichtet, dem Verdacht nachzugehen. Spätestens dann würde der Beschuldigte vom Verdacht erfahren!

Beratung nach gesicherter sexualisierter Gewalt

Liegen klare, verlässliche und dokumentierte Aussagen des Kindes/Jugendlichen über sexuellen Missbrauch vor, bedarf es weiterer Hilfen. Die wichtigste Person ist häufig die Mutter, die nun auch selbst Unterstützung braucht.

Bei innerfamiliärer sexualisierter Gewalt ist der Schutz des Kindes/Jugendlichen nur gewährleistet, wenn persönliche, aber auch jegliche andere Kontaktversuche des mutmaßlichen Täters z.B. über Telefonate (Handy!), scheinbar „zufällige Treffen“, Briefe, Geschenke, E-mails oder Drittpersonen (Onkel, Tante, Großeltern, Lehrer, Nachbarn) zuverlässig unterbunden werden. Wichtig ist, dass der schützende Elternteil unverzüglich einen Antrag auf alleiniges Sorgerecht stellt und für sich und das Kind existentielle Absicherung erwirkt. Sind noch Geschwisterkinder betroffen, gilt das auch für diese. Problematisch ist, wenn dies nicht der Fall ist und der mutmaßliche Täter Umgang einfordert. Gelingt die Trennung nicht, muss das Kind fremduntergebracht werden. Bei außerfamiliärer Gewalt bedürfen beide Elternteile sowie Geschwister und evt. auch sonstige Verwandte fachlicher Hilfen.

Psychologisch sind nun stützende Maßnahmen angezeigt. Es geht nicht darum, Art, Umfang und Folgen eines sexuellen Missbrauchs einzuschätzen oder die Glaubhaftigkeit evt. weiterer Schilderungen zu prüfen. Dies bleibt einem möglicherweise später vom Gericht bestellten Gutachter vorbehalten. Das Kind soll vielmehr in seiner Persönlichkeit und Entwicklung stabilisiert werden. Eine Identifizierung des Kindes/Jugendlichen mit Missbrauchserfahrungen und Opferstatus ist kontraindiziert!

Hilfen durch das Opferentschädigungsgesetz, den „Weißen Ring“ und Schmerzensgeld sollen geprüft werden!