Verdacht

Auf gar keinen Fall darf ein(e) mutmaßliche(r) Täter(in) zu diesem Zeitpunkt mit dem Verdacht konfrontiert werden, da sonst die Gefahr besteht, dass das mögliche Opfer eingeschüchtert oder bedroht wird und das Vertrauen verliert!

Verdacht nicht zu früh „aufdecken“!

Bei Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch sollten sich Betroffene so schnell wie möglich an Experten in Beratungsstellen und Jugendamt wenden, die über fundierte Erfahrungen und Kenntnisse in Befragungs- und Interviewtechniken und fachspezifischer Beratung verfügen.

Ziel ist, eigene Gefühlsreaktionen wie Ängste, Hilflosigkeit, Wut aufzufangen und so eine Basis für zielgerichtetes fachliches Handeln herzustellen.

Diese emotionalen Reaktionen von Laien und Fachleuten sind normal und müssen angemessen angenommen und aufgearbeitet werden, da sie sonst die weitere Begleitung des Falles gefährden (z. B. durch Gerüchte, Aktionismus, Befragung des Kindes durch Laien …).

Spontane Äußerungen und auffälliges Verhalten des Kindes sind umgehend festzuhalten (Protokoll oder Tonaufzeichnung, unter Angabe von Ort, Zeit, anwesende Personen, ...).

Wird nachgefragt, ist auch der Wortlaut der Frage zu protokollieren.

Wichtig: Genau die „Geschichte“ der Äußerungen des Kindes festhalten: wann, wem gegenüber erzählte das Kind erstmals was; so jeweils die einzelnen Äußerungen protokollieren. Nicht zusammenfassen!

Sollte sich ein Kind Ihnen spontan anvertrauen, dann stellen Sie keine Suggestivfragen, sondern nur offene Fragen wie: „Was war dann?“, oder ermutigen Sie zum Weitererzählen.

Weitergehende Befragungen sind zu unterlassen.

Es hat sich gezeigt, dass gerade Fehler in dieser Anfangsphase eine spätere gerichtliche Klärung unmöglich machen. Familien- bzw. strafrechtliche Maßnahmen bedürfen einer klaren Faktengrundlage. Zentral ist hier die Spontanaussage des Kindes, die aber altersabhängig auch suggestiver Beeinflussung unterliegen kann.