Begriff

Wenn sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche thematisiert wird, taucht in der Öffentlichkeit und Fachöffentlichkeit, der Literatur und der Forschung eine Vielzahl von Begriffen auf. Die Rede ist von sexueller Misshandlung, Inzest, sexueller Ausbeutung, sexuellem Missbrauch, sexueller Gewalt und sexualisierter Gewalt.

Der Begriff „sexueller Missbrauch“ ist derzeit in der Fachwelt wie der öffentlichen Diskussion der am häufigsten verwendete Begriff.

„Zwar wurde er Anfang der 1990er-Jahre kritisch hinterfragt, weil er einen richtigen oder falschen ‚Gebrauch‘ von Kindern implizieren würde. Dass Kinder keine ‚Gebrauchsobjekte‘ sind, wurde letztendlich aber unstrittig angesehen (Braun 2006).“

Es ist zu berücksichtigen, dass der Begriff „sexueller Missbrauch“ als juristischer Begriff verwendet wird, er ist im Strafgesetzbuch als Straftatbestand benannt. Die Begriffe „sexuelle Gewalt“ und „sexualisierte Gewalt“ werden von B. Kavemann (1996) wie folgt abgegrenzt: Sie „führt dazu aus, dass beide Begriffe die Tragweite und politische Bedeutung der Problematik erfassen, aber ‚sexualisierte Gewalt‘ den Aspekt der Verantwortlichkeit intensiviert. ‚Es wird klargestellt, dass diese Gewalt nicht einfach sexuelle ist, sondern von einer Person, die dafür Verantwortung trägt, aktiv sexualisiert wird.‘“ (BzgA FORUM 3-2010: Sabine Herzig, S. 3)

Der Facharbeitskreis schliesst sich der Argumentation von Barbara Kavemann an und wählt den Begriff „sexualisierte Gewalt“, da hier deutlich wird, dass im Unterschied zu physischer und psychischer Gewalt die Gewalt mit sexuellen Mitteln ausgeübt wird und gleichzeitig die Verantwortlichkeit benannt wird.