Definition von sexualisierter Gewalt

So schwierig es ist, Begrifflichkeiten zu finden, die alle Aspekte dieser Form der Gewalt, der gesellschaftlichen Machtverhältnisse, Gefühle und Erfahrungen der Betroffenen beschreiben und dabei allgemein anerkannt und verstanden werden, so schwierig ist auch eine allgemeingültige Definition sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.

Je nach theoretischem Hintergrund betonen die Beschreibungen unterschiedliche Aspekte. Unterscheiden lassen sich „enge“ und „weite“ Definitionen. Enge Definitionen beschreiben ausschließlich Handlungen mit direktem und eindeutig als sexuell identifizierbarem Körperkontakt zwischen Opfer und Täter; weite Definitionen umfassen zudem sexuelle Handlungen mit indirektem Körperkontakt, z. B. Exhibitionismus, das Erzwingen sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen, das Ansehen von pornografischem Bild-/Filmmaterial usf. Die vorhandenen Definitionen können den in der Realität vorkommenden Fällen jedoch nicht gerecht werden, die Einschätzung einer Handlung als sexualisierte Gewalt ist nach wie vor schwierig.

Bei der Einschätzung helfen können Kriterien wie das Machtgefälle zwischen Opfer und Täter (ein besonders wichtiges Kriterium für die Einschätzung von Übergriffen unter Kindern/Jugendlichen), der Einsatz von Zwang und Gewalt, der Aufbau von Geheimhaltungsdruck und die Folgen.

Eine Definition von D. Bange u. U. Enders (1992), Bange/Deegener (1996), beschreibt sexualisierte Gewalt gegen Kinder klar und gleichzeitig umfassend als:

„Jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind entweder gegen seinen Willen vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund seines körperlichen, psychischen und kognitiven Entwicklungsstandes nicht wissentlich zustimmen kann. Der Täter nutzt seine Macht- und Autoritätsposition aus, um eigene Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen.“