Folgen sexualisierter Gewalt

Wie reagieren Kinder auf sexualisierte Gewalt?

Der Erwachsene nutzt seine Macht gegenüber dem Kind, er übt Gewalt durch sexuelle Handlungen aus, er nutzt die Abhängigkeit und das Vertrauen des Kindes, er verunsichert das Kind in der Wahrnehmung seiner eigenen Gefühle: „Was wir miteinander tun ist schön“, er konfrontiert das Kind mit Erwachsenensexualität.

Das Erleben sexualisierter Gewalt kann bei Kindern und Jugendlichen physische, psychische und soziale Auffälligkeiten zur Folge haben.

Was signalisieren Kinder? Mit welchen (verdeckten) Signalen, Verhaltensauffälligkeiten und Symptomen zeigen uns Kinder, dass etwas nicht in Ordnung ist?

Folgen können u. a. sein:

Frühe Kindheit:
Kleinstkinder bis zu einem Alter von 3 Jahren reagieren eher ganzheitlich auf sexuelle Gewalt, d. h. mit allgemeiner Angst, Verwirrung, Verstörtheit, motorischer Unruhe, Ein- und Durchschlafstörungen. Weiter können damit verbunden Ess- und Gedeihstörungen auftreten. Die Angst vor Fremden ("Fremdeln") kann übersteigert auftreten, umgekehrt tritt oft auch Distanzlosigkeit auf. Häufig ist nicht altersgemäßes Spielen zu beobachten.

Vorschulalter:
Auf der Ebene des Verhaltens können bei 3- bis 6-jährigen Kindern auftreten: Entwicklungsverzögerungen, "regressives Verhalten", d.h. Rückfall auf frühere Entwicklungsstufen: Die Kinder verfallen wieder in eine Babysprache, fangen wieder an ein zu nässen, lutschen vermehrt am Daumen, klammern sich wieder mehr an die Mutter, häufiges altersunangemessenes sexuelles Spielen; öffentliche und andauernde Selbstbefriedigung; Schlafstörungen (Albträume); erhöhte Ängstlichkeit.

Grundschulalter:
Bei den 6- bis 9-jährigen werden vielfach als typische Folgen beschrieben: somatische Beschwerden (z. B. Kopf- und Bauchschmerzen); plötzliche Schulleistungsstörungen; nicht altersgemäße sexuelle Handlungen mit jüngeren oder gleichaltrigen Kindern; sexuell provozierendes Verhalten; Schlaf- und Essstörungen; keine altersentsprechenden sozialen Beziehungen zu Gleichaltrigen; Zwangshandlungen wie ausgeprägtes Baden oder Waschen.

Vorpubertät und Pubertätsbeginn:
In diesem Alter zwischen 9 und 13 Jahren gewinnen vor allen Dingen an Bedeutung: sozialer Rückzug verbunden mit mangelndem Selbstwertgefühl; Verschlossenheit und Depressivität; Schulschwänzen; sexueller Missbrauch von jüngeren Kindern.

Heranwachsendenalter:
Bei den 13- bis 18-Jährigen können insbesondere folgende Verhaltensweisen als Folgen sexuellen Missbrauchs auftreten: selbstverletzendes Verhalten; Weglaufen von zu Hause; Selbstmordgedanken und -versuche; Depressivität; Essstörungen; Drogen- und Alkoholkonsum; Schlafstörungen; erhöhte Ängstlichkeit; Vermeidung von körperlicher Nähe; Vernachlässigung der Hygiene; aggressives Verhalten; wenig Freundschaften zu Gleichaltrigen; mangelndes Selbstwertgefühl.“
(Günther Deegener: „Kindesmissbrauch“ 5., komplett überarbeitete Auflage 2010, 1998 Beltz Verlag, Weinheim und Basel)

Man kann jedoch nicht alleine aufgrund vorliegender Verhaltensauffälligkeiten auf sexualisierte Gewalterfahrungen schließen.

Achtung! Wir sollten aufmerksam werden, wenn Kinder sich plötzlich verändern! Die Ursache muss nicht das Erleben sexueller Gewalt sein, aber die Hypothese „sexualisierte Gewalterfahrung“ als Anlass für die Veränderung muss als eine mögliche Hypothese mitgedacht werden.