Sexualisierte Gewalt gegen Jungen und Mädchen

Im Jahr 2010 rückte das Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder verstärkt in den Blick der öffentlichen Aufmerksamkeit und wurde so intensiv wie nie zuvor in der bundesweiten Öffentlichkeit diskutiert.

Die Stellungnahme der Kinderschutz-Zentren vom 20.12.2010 fasst die Entwicklungen dieses Jahres zusammen:

„Kinderschutz stand in diesem Jahr wieder einmal ganz oben auf der politischen Agenda. Eher ungewollt haben die Berichte über sexuelle Gewalt in kirchlichen Institutionen sowie in Schullandheimen und anderen Institutionen zu einer politischen Auseinandersetzung mit dem Thema geführt. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik wurde der Kinderschutz an so exponierter Stelle diskutiert. Der Runde Tisch gegen sexuellen Kindesmissbrauch mit seinen Arbeitsgruppen und Arbeitskreisen war und ist auf den verschiedenen Ebenen in allen drei Ministerien – Familienministerium, Justizministerium, Bildungsministerium – immer mit der jeweiligen Ministerin besetzt.

Hier wurde und wird mit den Spitzenverbänden aus Jugendhilfe, Schule, Justiz, Medizin, Psychologie und Sport über Strategien, Leitlinien, Gesetzesinitiativen zusammengearbeitet, Ideen und Konzepte überarbeitet, verworfen und neu entwickelt. Vieles ist noch nicht beschlussreif und immer wieder zeigen sich Differenzen in der Sichtweise zwischen den politischen Interessen und den fachlichen Notwendigkeiten. Deutlich wurde aber auch, dass an den Verbänden der Jugendhilfe und des Kinderschutzes kein Weg vorbei geht. Ohne diesen Dialog sind Reformen nicht möglich und das ist gut so.“

Newsletter der Kinderschutz-Zentren, Nr. 20, 20.12.2010, www.kinderschutz-zentren.org

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die bundesweite politische Diskussion, die Schaffung dieses „Runden Tisches“ und der Einsatz einer „Unabhängigen Beauftragten“, tatsächlich dazu führen werden, die quantitativen und qualitativen Hilfen für die Opfer als kontinuierliches und flächendeckendes Angebot auszubauen, oder ob sich der politische Wille an wenigen Vorzeigeprojekten erschöpft.

Die vorliegenden Standards verstehen sich als ein Beitrag zur Qualitätsverbesserung in der Vorgehensweise und Zusammenarbeit der Institutionen bei Verdacht auf sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige in den Städten Hemer, Iserlohn und Menden.